Stiller Hilfeschrei

•April 22, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Heute war ein Elternsprechtag in der Schule. Drei Gespräche, war das schlimm! Bei allen drei musste ich heulen weil ich mit meinen Gedanken halbwegs wo anderes war. Ich konnte mich nicht zurückhalten. Ich weiss zwar, ich bin nahe am Wasser gebaut, es nervt mich auch, aber ich kann es nicht zurückhalten. Auch wenn ich will.

Jedenfalls verliefen die Gespräche etwa ähnlich, das erste war wohl das längste. Ein Gespräch mit dem Klassenlehrer. Es kam ungefähr das gleiche raus wie bei jedem Elternsprechtag an den ich meine Mutter begleite.

Du bist zu Still.”, “Du meldest dich fast nie.”, “Sag doch mal was.”

Mh… es gibt viele Sätze die ich nicht leiden kann und viele die ich mir einfach nicht mehr anhören will, so wahr sie auch sind. Diese drei gehören zu letzteres. Ich weiss selber, dass ich zu still bin, ich merke dass ja. Wenn ich all die anderen betrachte die einfach drauflos reden bin ich etwas neidisch.

Könnte ich doch blos auch so offen reden.”, “Warum kann ich nicht einfach mal was sagen?”

Dies sind meine Gedanken an solchen Augenblicken während ich etwas neidisch die Unterhaltungen mithöre. Stillschweigend.

Diesesmal redete aber meine Mutter etwas mehr mit dem Klassenlehrer. Ich hatte ja einen Schulweschsel hinter mir, vorhin fast keinen Kontakt zu anderen und er wollte wissen wie ich Privat so bin. Meine Mutter, sie gehört auch zu den Menschen die einfach drauflos reden können, erzählte ihm dann alles darüber. Alles und mehr. Sie erzählte ihm wie überrascht sie manchmal ist zu hören wie still ich sei, weil ich zuhause um einiges mehr rede. Zuhase sei ich eine “Besserwisserin” die immer das letzte Wort haben muss. Naja, so unrecht hat sie vielleicht nicht. Aber hier habe ich auch keine Probleme irgendetwas zu sagen, Zuhase fühle ich nicht den Drang etwas sagen zu müssen, den Zwag, sondern es geschieht einfach von selbst. Sie redete weiter darüber, wie ich früher doch nie Probleme hatte, immer alles alleine bewältigte und nie jemanden um Hilfe bat. Und es so blieb. Sie sagte ich wollte ihre Hilfe nichtmal annehmen wenn sie sie anbot, so gut es auch gemeint war.

Dies ist es, was mir nun erneut zu denken gibt.

Will ich wirklich keine Hilfe?“, “Will ich alles alleine Bewältigen?

Nein. Ich will Hilfe, ich will nicht alleine sein, ich will nicht vereinsamen, ich will mich nicht wieder aus Angst vor Ablehnung in der Toilette einsperren und hoffen dass die Zeit vorbei geht und die Klingel endlich Schellt. Ich während dieser Zeit vor der kalten Tür stehe in einem Raum ohne Heizung, mit dem widerlichen Gestank ungespülter Toiletten während ich von ausserhalb meiner Kabine lausche wie andere in das WC kommen, ihre Geschäffte erledigen und sich dabei den neusten Tratsch erzählen. Ich will das nicht mehr. Deswegen habe ich ja die Schule gewechselt. Leider erst als mein Körper sich geweigert hat diese Qualen durchzumachen und ich mit täglichen Bauchschmerzen aufstand, die erst weggingen wenn ich nach Hause ging, oder wusste ich blieb zuhause im Bett, Schuleschwänzend.

Ich will Hilfe. Aber nicht darum Bitten. Nicht aussprechen, dass ich Hilfe brauche. Ich kann es nicht aussprechen, zugeben, dass ich alleine nicht mehr klar komme, dass ich Unterstützung benötige.

Ich weiss nicht weshalb ich nicht um Hilfe bitten will, ich kann es nicht Erklären. Ist es mein Stolz der sich weigert zuzugeben etwas nicht bewältigen zu können? Ist es mein Scham, all diese erniedrigungen einzugestehen und zu erzählen der mich daran hindert? Wahrscheinlich beides.

Um Hilfe zu bitten geht bei mir nicht. Ich kann nicht. Es kommen mir immerwieder unwichtige kleine Erinnerungen auf die mich daran erinnern was geschieht wenn ich um Hilfe frage. Es ist eine dieser Kindheitserinnerungen die aufkommen wenn ich jetzt so genau überlege. Eine wirklich kleinliche Angelegenheit, die mir aber gelehrt hat nicht um Hilfe zu bitten wenn ich Fragen habe die die Schule betreffen.

Weiss ich jetzt auch keine Lösung drauf.”, “Uf… das fällt mir jetzt auch nicht ein.“,

waren die Antworten auf meine Fragen. Dies liegt zwar schon lange zurück, aber nachtragen wie ich halt bin, hat das wahrscheinlich auch noch einwirkung auf mich.

Oder schlechte Vorbilder. Es heisst, diese lehren einem auch was man zu tun hat um nicht so zu werden. Meinem Bruder wurde immer geholfen wenn er etwas brauchte, als hätte man alles für ihn gemacht. Etwas worüber ich früher einfersüchtig war, worüber ich jetzt jedoch lächle, mein Verhalten meine ich. Es gibt einige die behaupten er und ich sind völlig das Gegenteil voneinander. Ich hatte nie Probleme in der Schule (bis zu heute eben), und bei ihm fing es schon früh an. Er war schon früh auffällig und benötigte Hilfe während ich selbstständig zurechtkommen konnte oder wollte. Natürlich haben wir auch viele Gemeinsamkeiten, aber um die geht es gerade nicht. Jedenfalls bekam ich so wahrscheinlich auch das Gefühl vermittelt, dass es nichts bringen wird Hilfe zu bekommen.

Warum sollte es mir was bringen Hilfe zu bekommen wenn es bei ihm auch nicht wirkt? Wahrscheinlich verschlechtert es meine Situation sogar.” war meine These dazu als ich klein war. So lies ich es mir nicht gefallen geholfen zu werden, entweder ich bewältige das Problem alleine, oder gar nicht.

Im Nachhinein wünscht man sich natürlich immer dass man anderes ist als man ist. Aber so bin ich nun mal, und ich kann mich ja verändern. Ich will es ja auch, obwohl ich ehrlich gesagt noch keinen Festen Plan habe wie ich das tun soll. Einige Ideen habe ich schon, aber ich habe Angst. Angst vor Ablehnung und Gleichgültigkeit die ihre Reaktion sein könnten. Aber ich will auch nicht dass es ewig so bleibt wie es momentan ist. Zwar hat sich meine Beziehung zu Mitschülern um einiges verbessert, aber ich habe das Gefühl dass ich selbst uninteressiert und kalt auf andere wirke. Und dass sie es nicht akzpetieren könnten wenn sie sehen, wie ich wirklich bin, und ich dann wieder völlig alleine bin.

Hilfsbereitschaft

•März 11, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Wenn ich was will, hole ich es mir gefälligst selbst. Niemand wird mir dabei helfen können.” dass musste ich in 16 Jahren meines Lebens lernen. Ich hatte einige kleinere Enttäuschungen in meinem Leben, damals war ich naiv und habe auf die Hilfe anderer gehofft wann immer ich Probleme hatte. Meine Mutter pflegte mir zu sagen, ich solle zu ihr gehen wenn ich Hilfe bräuchte.

Angefangen hat es mit Hausaufgaben, so was simples, dass jedoch auch Auswirkungen auf das eigene Leben haben kann. Wenn ich etwas nicht verstand, fragte ich nach, so einfach. Ich bekam die Antwort gesagt, keine Erklärung. Kein geduldiges, “So funktioniert das, hast du es nun verstanden?” sondern ein kurzes “So geht das.“. Trotzdem bin ich wieder hingegangen, immer und immer wieder, ich ermittelte meinen Eigenen Lösungsweg aus ihren Beispielen. So klappte es immer.

Auf einmal änderten sich jedoch die Antworten die ich zu hören bekam. “Versteh ich nicht,” sagten sie und mit einem schwachen lachen fügten sie hinzu: “Meine Schulzeit liegt auch schon länger zurück.”, irgendwie war es bei dieser Antwort geblieben. Das war wahrscheinlich während meinem Sechstem Schuljahr. Ich habe nach einer weile aufgegeben überhaupt noch nachzufragen ob sie mir helfen würden könnten. “Was bringt es nachzufragen, wenn sie sowieso sagen sie verstünden nichts?” dachte und denke ich noch heute.

Dieses Verhaltensmuster bildete sich auch in vielen anderen Bereichen weiter. Inzwischen ist es egal welche Art von Problemen ich habe, die Löse ich selbst. Ich kann nicht einfach anderen Vertrauen mir zu helfen, dabei fühle ich mich absolut unwohl. Also habe ich mir selbst zu helfen.

Dice

Anstrengende Tage

•März 10, 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt Tage, die sind echt Anstrengend für mich.

Nicht weil ich besonders schwere Aufgaben zu lösen hatte,

nicht weil ich mich mit jemandem gestritten habe,

und auch nicht, weil ich einen vollen Tagesplan hatte.

Ein anstrengender Tag sieht für mich so aus:

Ich steh Früh Morgens auf, esse mein Frühstück, gehe zur Schule, sitze dort meine Stunden ab, komme nach Hause, esse eine Kleinigkeit, verziehe mich in mein Zimmer und verbringe den Rest der Zeit vor dem PC. Später gibt es noch Abendbrot, dann geht man auch schon schlafen. Das ist ein anstrengender Tag für mich.

Das ewige Nichtstun treibt einem in den Wahnsinn, man vereinsamt, aber doch traue ich mich nicht etwas dagegen zu tun.

Ich bin ein etwas vereinsamter Mensch, sehr schüchtern, vielleicht sogar Phobisch vor sozialen Kontaken. Ich habe mich selber öfters dazu aufgefordert das zu ändern, vorher denke ich mir, “Ist doch nicht so schwer.” aber sobald ich mich an der Szene befinde fehlen mir die Worte, und nur noch wenige Sätze rasen durch meinen Kopf:

Du kannst es eh nicht. Unmöglich. Bevor du Das schaffst regnet es auf der Sonne.” Eben, unmöglich.

Jetzt gibt es deswegen natürlich Leute die sagen, sei weniger Negativ, konzentriere dich doch auf das Gute.

Toll. Ich finde es ja auch sehr witzig unfähig zu sein ein Gespräch mit jemandem zu führen, ich empfinde es ja auch als angenehm wie mich alle Blicke ständig beobachten zu scheinen. Es ist ja auch ein so großartiges Gefühl, niemandem trauen zu können, nicht mal sich selbst.

Zugegeben, ich weiss was ich an mir zu ändern hätte um wieder Normal zu sein, wie es in dem heutigen Standart definiert wird. Aber um sich zu ändern, muss man sich seinen Ängsten stellen. Wie Dumm nur, dass ich ein Feiger Mensch bin.

Mich meinen Problemen zu stellen, ist wie wenn man einem Kettenraucher der gefallen am Raucher sein hat zu sagen er solle aufhören. Er weiß, was er tut ist schlecht. Es schadet seiner Gesundheit. Aber er macht es trotzdem, den jedes Sein hat seinen eigenen Profit.

Meiner, ist dass ich so weniger an den Vordergrund gerrückt werde. Ich kann mich gut verstecken, zwischen der Masse, falle ich nicht besonders auf, und doch geschieht es, dass ich zwischendruch aufgerufen werde.

Dabei kann es zu solchen Situationen kommen, in denen ich mich meiner Angst stellen muss. Vorträge sind ein schönes beispiel hierfür. Ich hasse Vorträge, verabscheue sie. Fürchte sie.

Allein der Gedanke, wie ich alleine vor meinen Klassenkameraden stehe [ja ich gehe noch zur Schule,] ganz Alleine, treibt mir die Tränen in die Augen. Ich kann mir vorstellen was ich in dem Augenblick gerade fühlen würde. Angst, Panik und der Wunsch endlich wieder in der Masse versteckt sein zu können. Ich werde zittern, meine Beine werde ich nicht kontrollieren können, ohne dass ich etwas dagegen tun kann werden sie zittern. Auch meine Hände werden nervös und zittrig. ich verstecke sie hinter meinem Körper damit es weniger bemerkt wird. Zwischendurch wenn ich jedoch für die Präsentation zu schalten habe, müsste ich die Hand hervorholen. Sie würde noch immer zittern. Meine Beine werden sich schwach Anfühlen, als könnte ich jeden Augenblick zusammenbrechen. Meine Stimme würde brüchig klingen, ich werde zwischendurch Sprechpausen einlegen müssen um Luft zu schnappen, um einen klaren Kopf zu kriegen. So dass ich zumindest alle Informationen weitergeben kann die ich gesammelt habe. Ich werde von jemandem angemerkt bekommen, dass ich lauter Sprechen soll. Oh wie ich das hasse.

Kannst du etwas lauter Sprechen?“, ist wohl der Satz, den ich am wenigsten Ausstehen kann. Für mich ist dieser Satz vergleichbar mit einem “Räum doch mal dein Zimmer auf.” von der Mutter, gemischt mit ein bisschen Angst.

Wenn ich dan endlich wieder absitzen darf, würde ich dann noch für den Rest der Stunde weiterzittern. Ich werde warten. Kritik über mich ergehen lassen. Mein bestes geben nicht zu weinen. Ja, ich bin sehr nahe am Wasser gebaut, was ich nicht wirklich toll finde. Es wäre einfacher wäre ich sogar weit weg vom Wasser gebaut.

Aber ich schweife gerade ab,

Hauptsache ist, dass ich es nicht kann. Ich kann noch so gut vorbereitet sein, noch so gutes Material haben, mir mangelt es an etwas, was man nicht durch einfaches lernen kaschieren kann. Denn mir Mangelt es an Selbstbewusstsein.

Tage, in denen man wegen dem nicht vorhandenen Selbstbewusstsein Einladungen ablehnt, jedem Gelächter hinterhersieht und sich fragt ob gerade über einem gelacht wurde, und seiner Eigenen Meinung selbst weniger Achtung schenkt, sind völlig Normal für mich.

Ich habe nicht gelernt anderes damit umzugehen, und als Fauler Mensch, hasse ich Veränderungen, denn Veränderungen bedeuten Situationswechsel. Und Situationenswechsel, bedeuten dass man sein Leben nicht wie bisher führen kann. Man muss neue Wege suchen, Alternativen.  Und das ist einfach ausgedrückt: Anstrengend.

Dice